28. Juli 2010, 18:29, NZZ Online

Wasser ist ein Menschenrecht
Uno-Resolution von hoher politischer Tragweite verabschiedet.

Sauberes Wasser ist jetzt ein Menschenrecht. Die Vereinten Nationen haben am Mittwoch den Anspruch auf reines Wasser in die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte aufgenommen.

Die von Bolivien vorgelegte und von 33 anderen Staaten unterstützte Resolution wurde in der Vollversammlung der 192 Mitgliedsstaaten, von denen 163 anwesend waren, mit grosser Mehrheit von 122 Stimmen angenommen.
«Diese Resolution bringt kein Recht auf Wasser im Sinne des internationalen Rechts», sagte der Vertreter der USA. «Sie ist uneindeutig und deshalb müssen wir uns enthalten.»
Nach Uno-Angaben enthielten sich 41 Staaten. Das waren vor allem Industrieländer, während die Staaten der Dritten Welt praktisch durchgängig für den Entwurf stimmten.

Millionen ohne sauberes Wasser
Deutschland etwa gehört nach den Worten seines Uno-Botschafters Peter Wittig zu den entschiedensten Verfechtern des Rechts auf sauberes Wasser. «Weltweit haben 884 Millionen Menschen keinen genügenden Zugang zu sauberem Wasser und mehr als 2,6 Milliarden keinen zu einfachen sanitären Anlagen. Jedes Jahr sterben etwa zwei Millionen Menschen an den Folgen unsauberen Wassers, die meisten von ihnen sind Kinder.»
«Wir bestehen zu zwei Dritteln aus Wasser, unser Gehirn sogar zu drei Vierteln», sagte Boliviens Uno-Botschafter Pablo Solón. «Wasser ist das Transport- und Kühlmittel unseres Körpers und wir können eine ganze Weile ohne Essen auskommen, aber nur wenige Tage ohne Wasser.» Dennoch müssten Millionen Menschen jeden Tag ohne reines Wasser leben.

«Durchfall ist die zweithäufigste Todesursache bei Kindern. Durch schmutziges Wasser sterben mehr Menschen als an Aids, Malaria und Masern zusammen.» Solón hielt vor der Vollversammlung kurz inne. «Das waren gerade dreieinhalb Sekunden. Alle dreieinhalb Sekunden stirbt ein Kind, nur weil es kein sauberes Wasser hat.»
Die Erklärung der Menschenrechte und damit auch der Anspruch auf sauberes Wasser ist völkerrechtlich nicht verbindlich. Einklagbar ist es selbst in den Unterzeichnerstaaten nicht, zu denen alle 192 Uno-Mitglieder automatisch mit ihrem Beitritt zählen. Die Verankerung hat aber einen hohen symbolischen Wert und durchaus Einfluss auf die Politik von Staaten und der Vereinten Nationen.


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Wasser

Wer kann sich unsere Welt, unser Leben, ohne Wasser vorstellen.
Analog der Atmosphäre mit dem darin enthaltenen Sauerstoff  (ca. 21%), ist Wasser ein vitaler Bestandteil aller höheren Lebewesen unseres Planeten.
Dreiviertel der Erdoberfläche besteht aus Meeren, in der Atmosphäre ist Wasser bis zu 4 Vol.% als Wasserdampf, im menschlichen Körper altersabhängig zu 40-70% vorhanden.
Der Anteil Wasser in der menschlichen Zellflüssigkeit (Zytoplasma) beträgt 75-95%, im Blut sind es 92%.

Wasser spendet und erhält Leben, kann in allen drei Aggregatsformen (fest, flüssig, gasförmig) aber auch tödlich wirken. Wasser beschäftigt Wissenschaft , Politik , Religion, Wirtschaft , Kunst und unseren Alltag.
Als Machtinstrument war, ist und wird Wasser ein Grund für Auseinandersetzungen und Kriege sein. Wasser lädt ein zu Spiel und Sport und hat einen festen Platz in Märchen und Mystik. Wasser ist Leben.


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Die Umweltstiftung WWF hat zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Wasser und Böden aufgefordert. Weltweit stünden Landflächen von der dreieinhalbfachen Größe Europas vor dem «Umkippen».

Falsches Wassermanagement sowie starke Übernutzung, besonders in der Landwirtschaft, zerstörten die Vegetation und ließen Böden versalzen, erodieren oder versanden. «Wir stehen vor einer globalen Krise, was die Nutzbarkeit der fruchtbaren Landflächen auf der Erde angeht», sagte die WWF-Wasserexpertin Dorothea August anlässlich des «Welttages zur Bekämpfung der Wüstenbildung» am Mittwoch.

Die Folgen des Klimawandels wie steigende Temperaturen und längeren Trockenperioden beschleunigten dies. Wenn es keinen entscheidenden Wandel gebe, müssten sich bis 2050 rund 200 Millionen Menschen in Folge der Wüstenbildung eine neue Heimat suchen.

Auch in Europa drohe gravierender Landverlust durch Wüstenbildung, so etwa im Mittelmeerraum. Hoher Dünger- und Pestizideinsatz, intensive Bewässerungslandwirtschaft und Eingriffe in die Wasserläufe etwa durch den Bau von Stauseen veränderten das natürliche Gleichgewicht, sagte August am Dienstag laut Mitteilung. Der Ausweg sei eine grundlegende Umstellung auf einen nachhaltigen Anbau und ein integriertes Wassermanagement.